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9 Emojis, die woanders etwas ganz anderes bedeuten

In Japan bedeutet 🙏 „Danke". In China ist ein Shiba Inu reiner Sarkasmus. In Korea verrät die Anzahl der ㅋ wie laut man lacht. Was Emojis wirklich bedeuten – jenseits des Westens.

Inhalt

Emojis scheinen eine universelle Sprache zu sein. Ein Herz ist ein Herz, ein Lächeln ist ein Lächeln, und eine Flamme bedeutet überall „das ist großartig". So denken wir zumindest.

Die Realität ist deutlich komplexer. In Japan, China und Südkorea tragen dieselben Emojis, die wir täglich verwenden, oft völlig andere Bedeutungen. Manchmal sind sie subtil verschoben, manchmal bedeuten sie das genaue Gegenteil. Und fast immer bleiben diese Unterschiede für westliche Nutzer unsichtbar – bis zum nächsten Missverständnis.

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🙏 bedeutet in Japan „Danke", nicht „Gebet"

Im deutschsprachigen Raum wird 🙏 fast immer als Gebet oder als Wunsch für Glück interpretiert. „Ich drücke dir die Daumen", sinngemäß.

In Japan bedeutet dasselbe Emoji in den meisten Fällen schlicht „Danke" oder „Bitte". Japaner verwenden es, um sich höflich zu bedanken, um einen Gefallen respektvoll zu erbitten, oder auch um sich zu entschuldigen. Wenn ein Japaner 🙏 am Ende einer Nachricht sendet, betet er nicht für Sie – er sagt etwas so Alltägliches wie „vielen herzlichen Dank".

Interessanterweise wird dasselbe Emoji in der englischsprachigen Internetkultur gelegentlich als „High Five" gelesen. Drei völlig verschiedene Interpretationen für ein einziges Bild.

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Das Paralleluniversum der japanischen Kaomoji

Während der Westen die grafischen Emojis übernahm, entwickelte Japan etwas ganz anderes: die sogenannten Kaomoji (顔文字, wörtlich „Gesichtszeichen"). Dabei handelt es sich um Emoticons, die aus Schriftzeichen zusammengesetzt werden – deutlich komplexer als unsere :) oder :(.

Einige Beispiele:

(╯°□°)╯︵ ┻━┻ – eine Person, die vor Wut einen Tisch umwirft

(´∀`) – ein freundliches Lächeln

(;_;) – leises Weinen

ʕ•ᴥ•ʔ – ein niedlicher kleiner Bär

Der Unterschied zu westlichen Emoticons ist tiefgreifend. Japaner konzentrieren ihre Aufmerksamkeit auf die Augen, nicht auf den Mund. In der japanischen Kultur gelten die Augen als Spiegel der Seele. Entsprechend verfügen Kaomoji über eine fast unendliche Vielfalt an Augenausdrücken (^_^, ^o^, T_T, ¬_¬), während der Mund meist simpel bleibt.

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🐶 in China: kein Hund, sondern Sarkasmus

Wer auf Weibo – dem chinesischen Pendant zu Twitter – unterwegs ist und einen Shiba-Inu-Emoji am Ende einer Nachricht sieht, sollte diesen nicht als niedliche Geste missverstehen.

In China ist der Shiba-Inu-Emoji zum universellen Zeichen für Sarkasmus geworden. „Klar, die Regierung hat sicher recht 🐶" bedeutet: „Nein, offensichtlich nicht."

Der Grund dafür ist kulturell aufschlussreich: In einem stark zensierten Internet hat sich Sarkasmus zu einem wichtigen Instrument der indirekten Kommunikation entwickelt.

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💚 in China: keine umweltfreundliche Liebe, sondern Untreue

Das grüne Herz 💚 hat in China eine Bedeutung, die ohne kulturellen Kontext kaum zu erraten ist. Im Chinesischen existiert der Ausdruck „戴绿帽子" (einen grünen Hut tragen), der bedeutet, dass der eigene Partner einen betrügt. Wenn ein chinesischer Freund Ihnen 💚 schickt, vergewissern Sie sich, ob er nicht gerade scherzt.

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Zahlen als Emojis in China: 520 bedeutet „Ich liebe dich"

Chinesen verwenden Zahlen als wären sie Emojis, weil die Aussprache bestimmter Ziffern bedeutungstragenden Wörtern ähnelt.

„520" wird im Mandarin als „wǔ èr líng" ausgesprochen, was wiederum wie „wǒ ài nǐ" (ich liebe dich) klingt. Aus diesem Grund hat sich der 20. Mai (5/20) zum chinesischen Pendant des Valentinstags entwickelt.

„233" bedeutet „haha", „666" bedeutet „beeindruckend", und „88" wird als „Tschüss" verwendet.

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ㅋㅋㅋ in Korea: das koreanische „lol"

Die Koreaner haben ihr eigenes System für geschriebenes Lachen entwickelt. Wenn jemand in einem koreanischen Chat lacht, erscheint „ㅋㅋㅋ" – koreanische Konsonanten, die den Laut „kkk" darstellen.

Die Anzahl der „ㅋ" ist dabei entscheidend. Ein einzelnes „ㅋ" wirkt fast höflich-reserviert. „ㅋㅋ" ist ein leichtes Lachen. „ㅋㅋㅋ" ein richtiges Lachen. Bei „ㅋㅋㅋㅋㅋㅋㅋㅋㅋㅋ" hat die andere Person buchstäblich den Atem verloren.

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🌸 in Japan: mehr als eine Blume, eine ganze Jahreszeit

Die Kirschblüte 🌸 ist nicht einfach eine hübsche Blume – sie verkörpert eine Philosophie, eine Jahreszeit, ein kulturelles Konzept namens „mono no aware" (die Melancholie der vergänglichen Dinge).

Wenn ein Japaner im Frühling 🌸 sendet, ruft er damit ein ganzes emotionales Universum auf: flüchtige Schönheit, Wandel, die Sehnsucht nach dem, was endet.

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😊 vs 🙂 – der stille Konflikt der asiatischen Generationen

Während die englischsprachige Gen Z 🙂 in ein passiv-aggressives Symbol verwandelt hat, trägt dasselbe Emoji in weiten Teilen Asiens noch stärkere Konnotationen. Es wird als kaltes, herablassendes, fast verächtliches Lächeln gelesen.

In China kann das Senden von 🙂 an einen Vorgesetzten oder eine ältere Person direkt als respektlos gewertet werden. Die sichere Alternative in all diesen Kulturen ist 😊 – das Lächeln mit den rosa Wangen.

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Abschließend

Emojis sind keine universelle Sprache. Sie sind eher eine visuelle Schicht, die über bestehenden Sprachen liegt und von jeder Kultur nach ihren eigenen, unsichtbaren Regeln interpretiert wird.

Beim nächsten Mal, wenn Sie mit jemandem auf einem anderen Kontinent schreiben, halten Sie einen Moment inne: „Bedeutet dieses Emoji auf der anderen Seite dasselbe?" Und wenn die Antwort unsicher ausfällt, ist dieser Zweifel möglicherweise der Beginn einer deutlich interessanteren Unterhaltung.

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